25.05.2007
Die Geschäftsführer des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), Lutz Aigner und Peter Kellermann, zogen am 25. Mai eine Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres und berichteten über aktuelle Projekte des HVV.
Fahrgastrekord 2006 - weitere Steigerung für 2007 erwartet
Das Jahr 2006 war für den HVV außerordentlich erfolgreich: Die Fahrgastzahl stieg auf 609,1 Millionen, das sind 23,5 Millionen (4,0 Prozent) mehr als im Jahr zuvor. Einen so starken Anstieg gab es bisher nur einmal in der mehr als 40-jährigen HVV-Geschichte, wenn man vom Fahrgastzugewinn durch die HVV-Gebietserweiterungen Ende 2002 und Ende 2004 absieht.
Die Fahrgeldeinnahmen erhöhten sich im selben Zeitraum um 31,2 Millionen Euro (6,6 Prozent) auf 503,9 Millionen Euro. Dabei resultieren allerdings 12 Millionen Euro aus der Tarifanhebung vom April 2006; rechnet man diese heraus, entfallen 19,2 Millionen Euro (4,1 Prozent) Mehreinnahmen auf den Nachfragezuwachs.
Besonders bei den Allgemeinen Zeitkarten war ein hoher Absatzzuwachs zu verzeichnen: Spitzenreiter waren hier die Proficards (das Jobticket des HVV) mit 6,9 Prozent, die Abokarten folgten mit 5,5 Prozent und die Schaltermonatskarten mit 4,0 Prozent. Zurückzuführen ist die deutliche Nachfragesteigerung dieser Karten auf den Beschäftigungs- und Einwohnerzuwachs in Hamburg und dem Umland sowie auf die anhaltend positiven Effekte der Erweiterung des HVV-Gebiets. Alle Zeitkartenarten zusammengenommen, wurden 2006 durchschnittlich 660.000 Karten pro Monat verkauft, davon 550.000 im Abonnement – dies ist ein Spitzenwert unter den deutschen Verkehrsverbünden.
In der ersten Jahreshälfte trugen die stark gestiegenen Verkaufszahlen im Gelegenheitsverkehr zusätzlich zum positiven Geschäftsergebnis bei. Hier profitierte der Einzel- und Tageskartenabsatz von den hohen Benzin- und Dieselpreisen, extremen Wetterverhältnissen und der Fußballweltmeisterschaft. Trotz der Nachfrageabschwächung im zweiten Halbjahr wurden im gesamten Jahr 2006 etwa 2,6 Prozent mehr Einzel- und Tageskarten verkauft als im Vorjahr.
Auch für das laufende Jahr erwartet der HVV einen Nachfragezuwachs, der von demografischen und gesamtwirtschaftlichen Einflüssen gestützt wird. Ein über dem Bundesdurchschnitt liegendes Wirtschaftswachstum in Hamburg verspricht steigende Beschäftigtenzahlen. Zudem wird die Einwohnerzahl in und um Hamburg weiter zunehmen. Alles in allem rechnet der HVV 2007 mit einer weiteren Steigerung der Fahrgastzahl um etwa anderthalb Prozent.
Tarifreform
Auf Initiative der Hamburgischen Bürgerschaft hatte der Senat ein Gutachten zur Reform des HVV-Tarifs in Auftrag gegeben. Die Fahrpreise sollten gerechter, übersichtlicher und familienfreundlicher werden. Die Ergebnisse des Gutachtens und der Beratungen mit den Politikern bilden die Grundlage der Tarifänderung, die zum 1. Juli (für Einzelkarten zum 10. Juni) in Kraft tritt:
Die Finanzierung der 5-Euro-Ermäßigung übernimmt die Stadt Hamburg.
Unabhängig von der Tarifreform musste wegen gestiegener Energiekosten, gekürzter Bundesmittel für den Nahverkehr und gleichzeitiger Sicherung der hohen Angebotsqualität im HVV eine Tarifanhebung um durchschnittlich 3,5 Prozent vorgenommen werden.
Lutz Aigner: „Ein qualitativ hochwertiger Nahverkehr braucht eine solide Finanzierung. Daran müssen sich sowohl die öffentliche Hand für die sozialen Elemente des Tarifs als auch die Fahrgäste für das genutzte Leistungsangebot angemessen beteiligen.“
Neue Automaten und Handyticket für einen bequemen Fahrkartenkauf
Anfang 2007 hat im HVV der Einzug einer neuen Automatengeneration begonnen: Die Hamburger Hochbahn hat den größten Teil ihrer Automaten gegen moderne Geräte mit Touchscreen-Technik ausgetauscht. Zusammen mit den Geräten bei der HADAG wurden damit rund 220 neue Automaten aufgestellt.
In einem zweiten Schritt – voraussichtlich im Herbst 2007 – sollen diese Automaten eine neue Benutzerführung erhalten, mit der neben dem Schnellkauf auch eine Fahrtzielauswahl mit automatischer Preisermittlung möglich sein wird. Die Datenbank wird dann sämtliche Ziele im HVV-Gebiet und in Schleswig-Holstein enthalten, sodass zukünftig auch Fahrkarten des Schleswig-Holstein-Tarifs über die Fahrtzieleingabe erworben werden können.
Bei der DB Regio Nord werden noch in diesem Jahr neue Automaten aufgestellt, die gleich die neue Benutzerführung enthalten; so sollen Ende 2007 alle Regionalbahnhöfe im nördlichen HVV-Gebiet mit den neuen Geräten ausgestattet sein.
In weiteren Schritten werden anschließend auch die übrigen Automaten im HVV-Netz ausgetauscht bzw. nachgerüstet, bis schließlich alle etwa 850 HVV-Fahrkartenautomaten den gleichen Bedienungskomfort aufweisen.
Eine weitere interessante Neuerung im Fahrkartenverkauf ist das Handyticket. Am 26. April 2007 ist der Startschuss für den zweijährigen Pilotversuch zum überregionalen Handyticketverkauf gefallen. Elf deutsche Städte und Regionen beteiligen sich an dem Projekt. Einmaliges Anmelden genügt, dann können die Kunden Fahrkarten für alle elf Nahverkehrsregionen mit derselben Anwendung erwerben. Zudem ist im HVV die Handyticket-Anwendung mit der elektronischen Fahrplanauskunft verknüpft, die gleich die passende Fahrkarte anbietet.
Nach vier Wochen haben sich bundesweit bereits rund 5000 Kunden angemeldet, der HVV ist dabei mit rund 1500 Kunden und 2300 verkauften Tickets Spitzenreiter, wobei die Ticketkäufe pro Kunde kontinuierlich zunehmen.
Verbesserungen des Verkehrsangebots
Der HVV hat auf die gestiegene Nachfrage reagiert und das Verkehrsangebot zum Fahrplanwechsel, aber auch noch innerhalb des laufenden Fahrplanjahres erheblich verbessert. Der Mehraufwand hierfür beträgt pro Jahr rund 3,2 Millionen Euro.
So wurden zum Fahrplanwechsel im Dezember 2006 im Busnetz Leistungsverstärkungen im Umfang von rund 1,4 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr vorgenommen. Wichtigste Maßnahmen:
Anfang 2007 folgten weitere Verbesserungen im Umfang von rund 1 Million Euro Aufwand pro Jahr. Wichtigste Maßnahmen:
Die größten Nachfragesteigerungen, auf die der HVV mit Leistungsverbesserungen reagiert hat, waren im Metrobusnetz – hier besonders auf den Tangentiallinien – sowie im Busangebot für Harburg, Wilhelmsburg und Finkenwerder festzustellen.
Weitere bedeutende Angebotsverbesserungen stehen vor der Tür oder sind in Arbeit:
Höhere Qualitätsstandards im Busverkehr
Der HVV setzt nicht nur auf die Steigerung der Quantität, sondern auch auf die Verbesserung der Qualität des Angebots. Hierfür wenden die Verkehrsunternehmen ebenfalls Millionenbeträge auf. So wurden im HVV Ende 2006 für das Busangebot innerhalb des Großbereichs Hamburg folgende Standards festgelegt:
Während im Großbereich Hamburg die Realisierung dieser Qualitätsmerkmale bereits weit fortgeschritten ist, sollen sie in den ländlichen Räumen noch nicht bindend vorgegeben werden. Sie können aber bei Bedarf und entsprechender Finanzierung zwischen den Kreisen und den Verkehrsunternehmen vereinbart werden.
Einerseits soll im HVV ein möglichst einheitliches Qualitätsniveau angeboten werden, andererseits unterscheiden sich die Anforderungen an einen großstädtischen Busverkehr durchaus von denen des ländlichen Raums. Um beiden Aspekten gerecht zu werden, soll der Kernbereich des HVV, also der Großbereich Hamburg, künftig bei der Etablierung neuer Standards gegenüber dem Umland eine Vorreiterrolle spielen.
Verbesserung des Umfeldes von Schnellbahn-Haltestellen
Schnellbahn-Haltestellen und ihre Umfelder prägen sowohl das Bild des Nahverkehrs als auch der Stadtteile. Leider fällt dieses Bild nicht immer positiv aus. Dies liegt zum Teil daran, dass viele unterschiedliche Akteure verantwortlich sind, die sich untereinander und die Aufgaben der jeweils anderen Seite nur unzureichend kennen. Die Spanne der Beteiligten reicht von Verkehrsunternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsbereichen über Bezirksämter, Stadtreinigung bis zur Landes- und Bundespolizei.
Der HVV hat nun ein Planungsbüro beauftragt, am Beispiel der S-Bahn-Haltestellen Poppenbüttel, Rübenkamp, Veddel und Wilhelmsburg zu untersuchen, wie die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren verbessert werden kann, um ein gutes Erscheinungsbild von Schnellbahn-Haltestellen und des jeweiligen Umfelds langfristig zu sichern.
Nachdem alle zuständigen Stellen und ihre Aufgaben identifiziert und Ansprechpartner aufgelistet worden sind, sollen noch in diesem Jahr Empfehlungen für ein Kooperationsmodell vorgelegt werden.
HVV-Kundenbarometer 2007
Das verbesserte Angebot des HVV spiegelt sich im Kundenbarometer wider, einer repräsentativen Befragung von Fahrgästen nach der Zufriedenheit mit dem HVV. Hierfür befragt TNS Infratest insgesamt 2.750 Kundinnen und Kunden ab 16 Jahren im gesamten HVV-Gebiet.
Bei der Befragung im 1. Quartal 2007 erhielt der HVV eine Gesamtnote („Globalzufriedenheit“) von 2,72 auf einer 5er-Skala, wobei die Note 1 für „vollkommen zufrieden“ und die Note 5 für „unzufrieden“ steht. Mit der Note 2,72 steht der HVV bundesweit an der Spitze und liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) mit der Note 2,88.
Innerhalb Hamburgs benoten die Kunden den HVV sogar mit 2,64, auch dies ist besser als der bundesweite Branchendurchschnitt mit der Note 2,81 für Ballungsräume mit mehr als 500.000 Einwohnern.
Zusätzlich zur Benotung des Gesamtangebots wurde die Zufriedenheit mit 39 einzelnen Leistungsmerkmalen ermittelt. Hier zeigte sich, dass vor allem die Kernmerkmale des ÖPNV von den HVV-Fahrgästen besonders positiv bewertet werden: z. B. die „Schnelligkeit der Beförderung“ mit 2,51 und das „Linien- und Streckennetz“ mit 2,56. Die beste Note erhielt erneut der Internetauftritt des HVV mit 2,39.
Deutliche Verbesserungen im Vergleich mit der letzten Erhebung im Jahr 2004 sind bei der „Fahrtenhäufigkeit abends, nachts, am Wochenende“ festzustellen; hier verbesserte sich die Note von 3,5 auf 3,2 – offensichtlich eine Folge der Ende 2004 eingeführten Nachtdurchfahrt der Schnellbahnen am Wochenende. Ein weiterhin positiver Trend ist beim Sicherheitsempfinden der Fahrgäste an den Haltestellen festzustellen.
Klimaschutz
Alle Maßnahmen zur Verbesserung des HVV-Angebots dienen dazu, den Menschen die Nutzung von Bahn und Bus komfortabler zu machen und dadurch auch Autofahrern einen Anreiz zum Umsteigen zu geben. Je mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen, desto besser fürs Klima: So verbraucht ein durchschnittlich besetzter Linienbus pro Fahrgast nur 2,0 Liter Dieselkraftstoff auf 100 Kilometer, ein PKW mit durchschnittlicher Besetzung von 1,2 Personen benötigt dagegen pro Person 6,6 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. In der Hauptverkehrszeit verbrauchen die Busse aufgrund des höheren Besetzungsgrads sogar weniger als einen halben Liter pro Person und 100 Kilometer.
Darüber hinaus beteiligt sich der HVV am „Hamburger Klimaschutzkonzept 2007 – 2011“ und stellt weitere Vorschläge zur Diskussion, wie das Vorantreiben der Busbeschleunigung auf ausgewählten Strecken, weitere Fahrplanverdichtungen im Metrobusnetz, den Bau zweiter Haltestellenzugänge (z. B. U-Bahn-Haltestelle Berne, S-Bahn-Haltestelle Holstenstraße) und den Ausbau von Bike-and-Ride-Anlagen.
Peter Kellermann: „Allein die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel an Stelle des Autos ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Deshalb freuen wir uns, dass die Politik in der Metropolregion Hamburg den nachhaltigen Ausbau des HVV-Angebots kräftig unterstützt. Wir selber werden uns weiter anstrengen, um mit einem hohen Qualitätsniveau auch zukünftig neue Fahrgäste zu gewinnen.“