12.05.2004
Fahrgastzahlen und Einnahmen
Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) kann auf ein erfolgreiches Jahr 2003 zurückblicken – und dies trotz des schwachen konjunkturellen Umfelds sowie der unbefriedigenden Lage am Arbeitsmarkt und der damit begrenzten Wachstumsmöglichkeit im öffentlichen Personenverkehr.
Im abgelaufenen Jahr 2003 stieg die Fahrgastzahl gegenüber dem Vorjahr von 503,7 Millionen auf 535,1 Millionen. Der Zuwachs in Höhe von 31,4 Millionen Fahrgästen bedeutet eine Steigerung von 6,2 Prozent. Die Fahrgeldeinnahmen stiegen von 375,7 auf 406,0 Millionen Euro, also um 30,3 Millionen Euro, was einer Steigerung von 8,1 Prozent entspricht.
Die überdurchschnittliche Fahrgast- und Einnahmenentwicklung der Jahres 2003 resultiert hauptsächlich aus der am 15. Dezember 2002 erfolgten Verbundausweitung, bei der die vier nördlich an Hamburg grenzenden Kreise vollständig in den HVV integriert wurden. Schätzungsweise fünf Prozentpunkte des Fahrgast- und Einnahmenzuwachses sind auf die Erweiterung zurückzuführen.
Im Hinblick auf die verkauften Fahrkartenarten bzw. Kundengruppen basiert das Wachstum in erster Linie auf der stark gestiegenen Nachfrage im Schüler- und Ausbildungsverkehr - vor allem in den Umlandkreisen - sowie auf der außerordentlich positiven Entwicklung des Semestertickets aufgrund der gestiegenen Zahl an Studierenden in Hamburg.
Die Verbunderweiterung nach Norden kommt gut an
Die Ausweitung des HVV-Gebiets nach Norden kann als voller Erfolg gewertet werden: Etwa 30.000 ehemalige Nichtnutzer des öffentlichen Nahverkehrs hat der HVV in den vier schleswig-holsteinischen Kreisen als neue Kunden gewonnen. Dies ist das wichtigste Ergebnis einer im November 2003 vom HVV durchgeführten Untersuchung.
Die 30.000 neuen Kunden aus den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg bedeuten vier Prozent der dortigen Bevölkerung ab 16 Jahren. In unmittelbarer Nähe der Schienenverbindungen fällt der Zuwachs sogar noch höher aus. Die meisten Neukunden entscheiden sich zunächst für eine gelegentliche HVV-Nutzung, aber jeder Achte dieser Gruppe zählte bei der Befragung schon zu den täglichen oder fast täglichen Nutzern.
Über zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger waren Ende 2003 über die Verbunderweiterung informiert und bewerteten sie auf einer Notenskala von 1 (sehr gut) bis 6 (sehr schlecht) im Durchschnitt mit der Note 2,3. Vor allem die Vereinfachung der Fahrkartennutzung wird als Vorteil anerkannt. Weitere Verbesserungen wurden im Preis-/Leistungsverhältnis und in der Übersichtlichkeit des Verkehrsangebots gesehen. Auch sehen viele der Befragten die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs in den hinzugekommenen Gebieten insgesamt als verbessert an.
Zu dieser positiven Bewertung hat sicherlich beigetragen, dass mit der Verbundausweitung alle Regionalexpresszüge (RE) sowie der Flensburg-Express (FLEX) für die Nutzung mit HVV-Fahrkarten freigegeben wurden. Außerdem wurde zwischen Bad Oldesloe über Bad Segeberg bis Neumünster eine neue Schienenverbindung eingerichtet, die bis Rickling im HVV-Gebiet verläuft.
Ein weiterer großer Nutzen für die Fahrgäste ist, dass die Tarifschranken zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein immer weiter abgebaut werden. So berechtigen seit der Verbundausweitung nach Norden alle Tages- und Zeitkarten des Schleswig-Holstein-Tarifs zu Anschlussfahrten mit HVV-Verkehrsmitteln.
Fahrkartenkauf mit dem Handy – Pilotversuch wird vorbereitet
Die Nutzung des Handys breitete sich in den vergangenen Jahren wie ein Lauffeuer aus - inzwischen sind in Deutschland mehr Mobiltelefone als Festnetzanschlüsse in Gebrauch. Gleichzeitig entwickelte sich das Mobiltelefon zu einem immer leistungsfähigeren Gerät. So ist die Idee nahe liegend, das Handy nicht nur für Fahrplanauskünfte zu nutzen, wie es im HVV schon seit einiger Zeit geschieht, sondern auch für den Ticketkauf.
Gelegenheitsfahrgäste könnten ihre Fahrkarten auf diesem Wege bargeldlos und unabhängig von Automaten erwerben. Tarifunkundige Nutzer könnten darüber hinaus durch Start- und Zieleingabe bei der Auswahl der passenden Fahrkarte unterstützt werden.
Für die Verkehrsunternehmen besteht die Chance zum Aufbau eines kostengünstigen Vertriebskanals. Zudem ergeben sich neue Möglichkeiten der Kundenbindung und Kundengewinnung. Neben dem HVV beteiligen sich daher mehrere große Verkehrsverbünde an der Vorbereitung eines Pilotversuchs unter Federführung des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen. Ziel ist es, eine bundesweite Plattform mit einheitlichem technischen Standard für den Handy-Ticketverkauf zu entwickeln. Die Java-Technologie wird dabei als am besten geeignete Basis angesehen. Bis Ende 2004 werden nun die technischen Anforderungen für die Industrie näher definiert, die Auswahl eines geeigneten Betreibers getroffen sowie die Marketingkonzeption ausgestaltet, sodass der einjährige Markttest zum Jahreswechsel 2004/05 beginnen kann.
Nächster großer Schritt: HVV-Erweiterung nach Süden
Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2004 sollen auch die südlich an Hamburg grenzenden, niedersächsischen Landkreise Stade, Harburg und Lüneburg in das Verbundgebiet integriert werden.
Während zu Beginn der Verhandlungen vor drei Jahren nicht klar war, ob das gesamte Gebiet oder nur Teilgebiete der drei Landkreise in den HVV aufgenommen werden sollten, entschieden sich Ende 2003 die in einem Lenkungsausschuss zusammenarbeitenden Vertreter der Landkreise für eine vollständige Integration. Anschließend hat der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg Anfang 2004 der Verbunderweiterung in dieser Form zugestimmt, ebenso der Landkreis Harburg. In Lüneburg und Stade wird im Mai bzw. Juni über die Integration in den HVV entschieden.
Für die meisten Fahrgäste bedeutet die Anwendung des HVV-Tarifs nicht nur eine Vereinfachung getreu dem HVV-Motto „Ein Fahrschein, ein Tarif, ein einheitliches Angebot“, sondern auch eine Fahrgeldersparnis. Dies gilt besonders für Kunden, die heute noch mehrere Fahrkarten lösen müssen. Rund 20.000 Menschen fahren aus dem südlichen Umland allein mit der Bahn täglich nach Hamburg. Nur ein kleiner Teil davon kann bisher auf dem gesamten Weg den HVV-Tarif nutzen. Nach der Verbunderweiterung werden etwa 85 Prozent der Kunden aus dem südlichen Erweiterungsgebiet weniger bis gleichviel Fahrgeld zu zahlen haben.
Die erwünschte Preisersparnis für die Kunden bedeutet gleichzeitig für die Aufgabenträger (Länder und Landkreise) finanzielle Belastungen in Form von Ausgleichszahlungen, die nach dem Territorialprinzip getragen werden. Deshalb wurde bei der Gestaltung der Tarifringe und -zonen, besonders bei langen Reiseweiten, darauf geachtet, dass einerseits die Mehrheit der Kunden von einer Tarifumstellung profitiert, andererseits die finanziellen Belastungen der Aufgabenträger begrenzt werden. Im Ergebnis beteiligen sich das Land Niedersachsen und die drei Landkreise mit insgesamt gut 3 Millionen Euro jährlich an den Kosten der Verbunderweiterung, die Freie und Hansestadt Hamburg mit etwa 1,3 Millionen Euro.
Nachdem in den nördlichen Umlandkreisen Hamburgs ein Jahr nach der HVV-Ausweitung ein Kundenzuwachs von vier Prozent ermittelt wurde, rechnet der HVV für das südliche Erweiterungsgebiet mit einer ähnlich hohen Zahl von neuen Kunden für den öffentlichen Nahverkehr.
Mit der Metropolcard die Region erfahren
Ergänzend zur Hamburg-Card als klassischem Angebot für Stadt-Touristen wird die Hamburg Tourismus GmbH im Juni 2004 die Metropolcard einführen. Sie soll über das Stadtgebiet hinaus in der Metropolregion Hamburg gelten, die sowohl die südlichen schleswig-holsteinischen Kreise als auch die nördlichen niedersächsischen Landkreise umfasst.
Die Karte wird an drei Tagen gelten und zu einem Pauschalpreis kostenlosen oder vergünstigten Eintritt in diverse Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie die Nutzung von Stadt- und Hafenrundfahrten und weiteren Angeboten ermöglichen. Als Grundlage für die freizügige Bewegung im Geltungsgebiet soll zudem die Inanspruchnahme der Verkehrsmittel im HVV eingeschlossen sein.
Mit der Metropolcard wird besonders die große Gruppe der Kurzzeittouristen und der Bewohner, die Tagesausflüge in ihrer Region planen, gezielt angesprochen. Der Vertrieb des neuen Produkts soll über die Akzeptanzpartner, Touristinfos und Fremdenverkehrsämter erfolgen. Auch die HVV-Servicestellen werden die Metropolcard verkaufen.
Durchfahrt der Schnellbahnen in Wochenendnächten
Vom Beginn des Winterfahrplans an sollen in Hamburg die U- und S-Bahnen in den Nächten von Freitag auf Sonnabend und Sonnabend auf Sonntag durchgehend im 20-Minuten-Takt fahren. Zugleich wird ein Bus-Ergänzungsnetz mit Anschluss an die Schnellbahnen eingerichtet, in dem die wichtigsten Metrobusse ebenfalls im 20-Minuten-Takt, die wichtigsten Stadtbusse im 40-Minuten-Takt verkehren.
Damit wird in den Wochenendnächten das Nachtbusliniennetz in der jetzigen Form eingestellt. Da die Nachtdurchfahrt der Schnellbahnen nur für das Hamburger Gebiet gilt, werden aber die in das Hamburger Umland führenden Nachtbuslinien beibehalten.
Mit der Einführung des neuen Nachtangebots am Wochenende können die Fahrgäste zum Teil erheblich Zeit sparen. Im Vergleich zu einer Fahrt mit dem Nachtbus verkürzt sich beispielsweise die Fahrt von der S-Bahn-Haltestelle Reeperbahn nach Blankenese um 18 Minuten, nach Volksdorf um 32 Minuten und nach Bergedorf um 35 Minuten. Auch mit der U-Bahn ist man von der Haltestelle St. Pauli beispielsweise nach Ohlsdorf oder zum Lattenkamp um 22 Minuten schneller als bisher am Ziel, und nach Niendorf Markt immerhin noch um 11 Minuten.
Hamburg wird mit diesem neuen Nachtangebot die erste Stadt in Deutschland sein, deren U- und S-Bahnen am Wochenende bis an die Stadtgrenze im dichten 20-Minuten-Takt durchfahren. Die Kosten werden hierfür voraussichtlich zwischen 3,5 und 4 Mio. Euro pro Jahr betragen. Die Stadt und der HVV erhoffen sich durch das attraktive Angebot jedoch viele neue Kundinnen und Kunden – vor allem unter den jungen Leuten, die das Nachtleben genießen wollen und sich so keine Sorgen um eine sichere Heimfahrt machen müssen.
„Mobilität für alle“ - ein einzigartiges Informationsangebot
Der HVV bietet seinen Kundinnen und Kunden im Internet und auf seiner Fahrplan-CD ein spezielles, bislang einzigartiges Informationsangebot: Unter der Bezeichnung „Mobilität für alle“ erhalten die Fahrgäste detaillierte Angaben über Ein- und Ausgänge, WC-Anlagen, Treppen, Fahrtreppen und Aufzüge von Haltestellen sowie die Einstiegsbedingungen in die Züge. Und dies auf äußerst anschauliche Art mit Hilfe von Skizzen, Plänen, Fotos und 360-Grad-Panoramen. Dabei beziehen sich die Auskünfte nicht nur auf das Gebiet des HVV, sondern darüber hinaus auf ganz Schleswig-Holstein. Ferner vermittelt „Mobilität für alle“ wichtige Informationen über den Umstieg zwischen Bus und Bahn und informiert über die Barrierefreiheit ausgewählter Sehenswürdigkeiten.
„Mobilität für alle“ war bisher im Probebetrieb der elektronischen HVV-Fahrplanauskunft angefügt. Mit Beginn des Sommerfahrplans wird das Angebot in überarbeiteter und verbesserter Form unter www.hvv.de und auf der Fahrplan-CD zur Verfügung stehen. Der deutschlandweit einzigartige Service entstand in Zusammenarbeit mit der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen, dem Direkten Bürger-Informationsservice (DIBIS) der Stadt Hamburg und der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft für Schleswig-Holstein (LVS). „Mobilität für alle“ wurde von den Verkehrsministern der Europäischen Union im Rahmen eines Wettbewerbs anlässlich des „Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung“ mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.